Eichhörnchen und Teamgeister

Erste punktet in Budenheim, Jugend lernt dazu

In der Nachspielzeit am Budenheimer Waldesrand: Mit Macht hat die Erste Mannschaft in der Schlußviertelstunde das Tor des gastgebenden FV berannt, die Vierer-Kette aufgelöst, den Anschlußtreffer gemacht, aber es steht immer noch 3:2. Die letzte Aktion ist ein Freistoß im Mittelkreis. Bis auf den Schützen tummeln sich gefühlte 23 SG-ler im Budenheimer Strafraum, der Ball schwebt eine Ewigkeit herein, Fezullah Atug gewinnt das erste Kopfballduell, Dennis Acar das zweite, der Ball irrt weiter, durch den Fünfer, Dennis Weimer kommt irgendwie dran und die blaue Jubeltraube tanzt. Ein Punkt für die Moral, für die mitgereisten Fans und für den A-Jugendlichen Leon Otter im Tor, der bereits todunglücklich über zwei der drei Gegentreffer war und natürlich mehr drauf hat, als er am Sonntag zeigen konnte. Solche Tage gibt es im Sport, gut wenn das Team ein Team ist, jeder für jeden arbeitet und keine Schuldzuweisungen kommen. Budenheim war mit dem ersten Standard in Führung gegangen, die Spielgemeinschaft arbeitete sich zurück und machte das verdiente 1:1 durch Tim Rassfeld. Ein nicht gegebenes Tor von Jonas Kleinschmidt sorgte für Emotionen. Abseits, entschied der Schiedsrichter, obwohl ein Budenheimer auf der Torlinie stand. Kurz vor der Pause waren alle offensichtlich bereits in der Kabine: Als ein Ball der Gastgeber Richtung Eckfahne ging, fühlte sich niemand verantwortlich, die Gelb-Schwarzen konnten in aller Ruhe flanken und zum 2:1 einköpfen.

Nach der Pause verflachte das Spiel, die SG mühte sich, brachte aber keine klaren Chancen zustande. Budenheim wartete auf Fehler und die passieren eben. Ein harmloser Ball segelt zögerlich in Richtung Tor und irgendwie auch ins Netz, Freude und Überaschung bei den Gastgebern. Die Antwort der SG war die oben beschriebene Umstellung, und sie funktionierte. Hochwertig die Entstehung des Anschlußtreffers, nicht mit der Brechstange wie der Ausgleich, sondern heraussgespielt gegen einen sehr tief stehenden Gegner, Dennis Weimer steckt auf Tim Rassfekld durch, der geht bis zur Grundlinie und legt auf Jonas Kleinschmidt zurück und dieser trifft. In der Tabelle ändert sich nichts, es bleibt weiter eng und die SG holt Punkt für Punkt – mühsam nährt sich das Eichhörnchen, pflegte Autors Oma zu sagen. Für die Zweite war’s ein unerfreulicher Ausflug, Budenheim war giftiger, präsenter und gewann verdient mit 4:1. Die 2. Mannschaft spielt und steht schlechter als die Summe ihrer Einzelspieler, sie braucht Hilfe.

Ein starkes Spiel machte die B2 am Samstag in Mommenheim, gegen den verlustpunktfreien Tabellenführer Wöllstein gab es zwar ein 1:3, aber vor allem in der zweiten Halbzeit machte das gemeinsame Team von TSV Mommenheim und SG dem Favoriten das Leben schwer. Erüchternd hingegen das 2:5 der B1, die als Zweiter gegen die Spitzenreiter aus Oppenheim antraten. Die Moral war intakt, nach dem 0:1 und dem 1:2 kam die Mannschaft jeweils zurück und drückte dann lange Zeit auf das 3:2. Was fehlte, war ein geordneter Spielaufbau, stattdessen fast ausschließlich lange Bälle auf die Spitzen, schnell zu durchschauen und einfach zu verteidigen. Beim Gegner bewegten sich alle, bei Gastgeber (nicht immer, aber für ein Spitzenspiel zu oft) ab und an nur der Ballführende. Dabei sind ausreichend gute Einzelspieler an Bord und gegen schlecht organsierte oder unterlegene Gegner gibt es regelmässig Schützenfeste. Genau hier scheint das Problem zu liegen – kicken können sie schon, aber daran, eine Mannschaft zu sein, müssen sie verstärkt arbeiten. Das ist auch völlig verständlich in einer Saison, in der Spieler aus unterschiedlichen Vereinen zusammenfinden sollen. Vielleicht hat die Niederlage deshalb auch ihr Gutes, jetzt ist die Tabellenspitze erst einmal außer Reichweite und die Trainer können deutlich machen, dass die größeren Chancen bei denjenigen liegen, die nicht für sich selbst spielen, sondern für das Team. Dass wie bei den Aktiven der Torhüter - Andre Ringelstein, der in den zurückliegenden Jahren seinen Mannschaften mit zahllosen Glanztaten Punkte festgehalten hatte - keinen guten Tag hatte, ist kein Weltuntergang. Die Jugendlichen sind körperlich und geistig im Umbruch, keine Maschinen und brauchen die Gewißheit: Die Stabilisierung nach der Pubertät kommt mit Sicherheit, jetzt geht es darum, diese Phase gemeinsam zu durchstehen.